Die Kritik an Google reißt nicht ab und bekommt – auch durch Zutun des Konzerns selbst – immer neue Nahrung. Je schlechter das Licht, in dem Google erscheint, in einem umso schöneren scheint eine andere Suchmaschine zu erstrahlen: DuckDuckGo. Doch was macht DuckDuckGo eigentlich aus? Worin unterscheidet sich die Ente vom “Datenkraken” Google? Wie entwickelt sie sich auf dem Markt der Suchmaschinen, der schon manche Google-Alternative wieder “absaufen” sehen hat? Und wie betreibt man eigentlich Suchmaschinenoptimierung für DuckDuckGo? Also: Was ist DuckDuckGo genau für eine seltsame Ente, die nicht schwimmen, sondern laufen möchte?

DuckDuckGo ist eine Suchmaschine, die zunächst einmal den Anspruch erhebt, auf Anfragen hin gute Suchergebnisse zu zeigen. Um das zu erreichen, beschränkt sich DuckDuckGo nicht einen eigenen Suchalgorithmus und einen Index, in dem relevante Internetseiten gesammelt werden, wie Google.

DuckDuckGo ist in diesem Sinne keine vollständig selbstständige und unabhängige Suchmaschine wie Google, sondern nutzt verschiedene Dienste, um Suchergebnisse zu generieren. DuckDuckGo, oder kurz DDG, vereint die Suchergebnisse von Yahoo! Search BOSS, Wikipedia und einem eigenen Webcrawler, dem DuckDuckBot. DDG versucht, aus dem Manko nicht vollkommen unabhängig zu sein, das Optimum zu machen und das Beste aus drei Welten zu vereinen.
Duck Duck Go

Was ist das Besondere am Konzept von DDG?

Im Gegensatz zu Google sammelt DDG keinerlei Nutzerdaten. Es werden keine IP-Adressen und keine Such-Historien gespeichert und die Suchmaschine setzt nur so viele Cookies wie unbedingt nötig. Dadurch überzeugt DuckDuckGo vor allem Datenschützer und Menschen, die sich um ihre Privatsphäre im World Wide Web sorgen. Datenschutz und DuckDuckGo werden beinahe schon synonym verwendet.

Thema Datenschutz: Was weiß Google von mir?

Am 24. Januar 2012 hatte die “Datenkrake” Google bekannt gegeben, bald alle gesammelten Daten über Nutzer von allen Google Diensten – und das sind mittlerweile unzählige – zusammen führen zu wollen. So etwas macht natürlich Angst. Auch wenn niemand ganz genau weiß, was das eigentlich für ihn persönlich bedeutet. Google selbst wollte so zugegebenermaßen die eigenen Werbeanzeigen noch besser vermarkten können. Es entstanden extrem elaborierte Profile jedes einzelnen Nutzers, die die Vorhersagbarkeit über das persönliche Kaufverhalten enorm steigerten. Doch Google stehen im Hintergrund noch viel mehr Daten zur Verfügung. Google weiß nicht nur, was wir gerne kaufen, gerne lesen, gerne sehen und gerne hören. Google weiß auch, wo wir sind und wohin wir uns im Laufe unseres Lebens schon bewegt haben. Google weiß, wie alt wir sind, welches Geschlecht wir haben und oft genug auch unseren richtigen Namen und unsere genaue Anschrift. Und und und. Schlagzeilen machte die sammelwütige Suchmaschine mit dem Umstand, dass amerikanische Geheimdienste sie wiederholt gezwungen haben, Daten und persönliche Emails ihrer Nutzer preiszugeben – und zwar vollständig. Informieren durfte Google die Nutzer darüber nicht, bzw. erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt.

Eine kleine Zusammenstellung der von Google gesammelten Daten nebst einem Link, um Ihre persönlichen Daten zu überprüfen, finden Sie hier in der online Version des Tagesspiegels.
Google

Personalisierung plus Fokussierung = Einschränkung

Vielleicht entstand durch Googles Sammelwut aber nicht nur die Möglichkeit, Ihr persönliches Kaufverhalten zu analysieren und für erfolgsversprechende Werbeschaltungen zu nutzen. Es entsteht zusätzlich eine immer enger anliegende “Filterblase” um jeden einzelnen Nutzer. Denn nicht nur die Werbeanzeigen, auch die Suchergebnisse werden an das ermittelte Nutzerprofil angepasst. Besuche ich beispielsweise vermehrt Internetseiten, die sich mit sozialem Engagement beschäftigen, bekomme ich ganz andere Suchergebnisse präsentiert, als surfte ich vorwiegend Börsenberichte. So bekommen ich unter Umständen weniger Internetseiten angezeigt, die kontrovers zu meiner üblichen Überzeugung stehen und verharre in einer “Blase”. So weit zumindest die Theorie.

DuckDuckGo ist selbst aus dem Wunsch heraus entstanden, das Entstehen von “Filterblasen” zu vermeiden. Außerdem bietet DDG einen netten Service im Bereich “Werbeanzeigen”: Man kann die Anzeigen problemlos abschalten.

Der 24. Januar 2012 entpuppte sich jedenfalls als der reinste Glückstag für DuckDuckGo. Die Besucherzahlen schossen an dem Tag, an dem Google die geplante Datenkumulation ankündigte, enorm in die Höhe und DDG begann sich zu dem zu entwickeln, was es heute ist: Eine erfolgreiche Suchmaschine und ernsthafte Konkurrenz für Google.

Duck Duck Go Suchanfragen pro Tag

DuckDuckGo Suchanfragen pro Tag

 

Suchmaschinenoptimierung und DuckDuckGo

Beim Thema Suchmaschinenoptimierung nicht nur an Google zu denken, kann sich jedenfalls lohnen. Dafür sprechen nicht nur die steigenden Besucherzahlen, die DDG verzeichnet. Dafür spricht beispielsweise auch die Tatsache, dass der Suchdienst standardgemäß zum Browser des iOS 8 gehört und daher von extrem vielen iPhone-Nutzern besucht wird. Und in Zukunft von dort mit steigendem Traffic zu rechnen hat. Ebenfalls von Nutzern des neuen Firefox Browsers: Dort ist DDG vorinstalliert, als eines von zwei neuen Features, die den Datenschutz verbessern sollen. Vorinstalliert ist DDG ebenfalls auf dem Safari Browser vom Mac OS X. Wer Suchmaschinenoptimierung betreibt oder von einer Agentur betreiben lässt, der sollte neben dem Monitoring der Google SERPs die Analyse von DDG SERPs nicht ganz außer acht lassen.

Für die Optimierung selbst ist jedenfalls nur wenig zu beachten, was für Google nicht auch gilt. Sprich: Wer gut für Google optimiert, tut dies auch für DuckDuckGo. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Optimierung der Seite für Smartphones zu richten – aus dem oben genannten Grund. Doch das gilt für Google ja ebenfalls, wenn auch aus anderen Gründen.

Für DuckDuckGo gelten maßgeblich folgende Kriterien, die allenfalls leichte Abweichungen zu SEO Maßnahmen für Google beinhalten:

  • User-zentriertes Ranking: Machen Sie das Beste aus Ihrer Seite! Bieten Sie ein schönes Design, gute Inhalte und tolle Funktionen und bemühen Sie sich, Ihre Besucher möglichst lange auf Ihren Seiten zu halten. Kein Unterschied zu Google.
  • Backlinks als Rankingfaktor: DDG informiert sehr offen über die Tatsache, dass gute Backlinks von guten Seiten die Bewertung einer Website sehr positiv beeinflussen. Der Suchalgorithmus wird fortlaufend angepasst, aber die Wichtigkeit der Backlink-Struktur bleibt durch alle diese Veränderungen ungebrochen groß. Google hingegen betont ständig und hat die Aussage für das Jahr 2015 erneuert: Backlinks haben eine sinkende Bedeutung für das Ranking. Wir nehmen das Google übrigens nicht 1:1 ab. Also: Kein großer Unterschied zu Google.
  • Lokale Suchmaschinenoptimierung: DDG kann nicht ganz so genau wie Google abschätzen, wo ein sich Internetbesucher gerade befindet. Doch DDG nutzt GEO::IP lookup und schätzt darüber grob ab, wo die jeweilige Suchanfrage herkommt. Außerdem werden die Nutzer von DDG, die ein lokales Unternehmen o.ä. suchen, ihren eigenen Standort verstärkt in die Suchanfrage eingeben. Sie können also im Gegenzug dazu Ihre Webinhalte mit Angaben zu Ihrer Adresse, zu wichtigen Orten, Plätzen, Parks oder Straßen, die sich in Ihrer Nähe befinden, bereichern. Erleichtern Sie die grobe Orientierung! Ein deutlicher Unterschied zu Google.
  • Semantische Suche: DDG versucht, Suchanfragen ihrer Bedeutung nach zu erfassen und nicht nur nach reiner Keyword-Übereinstimmung. Positiv wirkt sich also eine Vielzahl von Unterseiten aus, die viele Aspekte, die zum großen Thema gehören, abdecken. Themen-Cluster bilden heißt das Zauberwort! Kein Unterschied zu Google.

Welche Funktionen bietet DuckDuckGo, die Google nicht hat?

Die Oberfläche und Funktionen von DDG kann sich jeder Nutzer so einrichten, wie es den persönlichen Vorlieben entspricht. Man kann problemlos das gesamte Layout der Seite umstellen und sich Suchergebnisse verstärkt so anzeigen lassen, dass sie mit den eigenen Interessen übereinstimmen. Sie können sich Suchergebnisseiten auf eine bestimmte Region eingeschränkt anzeigen lassen oder in einer bestimmten Sprache. Und man kann, wie bereits erwähnt, Werbeanzeigen ausblenden.

Sie können außerdem gezielt nur auf bestimmten Websites suchen – mit Hilfe der sogenannten “!Bang-Syntax”. So befördert Sie beispielsweise der Eintrag “!amde schuhe” direkt auf die Schuh-Auswahl-Seite von Amazon. Es stehen Tausende dieser !Bang-Abkürzungen zur Verfügung und es können sogar eigene kreiert werden – für Seiten, die man selbst immer wieder besuchen und durchforsten möchte.

DDG bietet außerdem folgende vorgefilterte Suchergebnisse:

  • Suche an der Börse: Zeigt Aktienindizes
  • Suche nach dem Ton: Zeigt Audio-Dateien

Und umgekehrt? Haben die auch das, was Google hat?

  • Bildersuche
  • Videosuche
  • Bedeutungssuche: Ganz oben werden ähnlich wie beim Knowledge Graph Informationen zugänglich gemacht, für die man nicht extra einen weiteren Link anklicken muss

Und was hat Google in den vorgefilterten Ergebnissen und DDG nicht?

  • Maps
  • News
  • Shopping
  • Bücher
  • Flüge
  • Apps

Fazit

Auch wenn Google immer noch den größten Index aller Suchmaschinen besitzt und damit mehr vom Internet sieht, als allen anderen Suchdienste: DuckDuc Go ist sicherlich eine interessante Alternative. Auch die Qualität der Suchergebnisse überzeugt mittlerweile und erhält zunehmend Lob von Menschen, die beruflich mit der Suche im Internet zu tun haben.

Linus Block

Ente