Suchmaschinenoptimierung für Online-Shops lässt sich auf vielen Ebenen umsetzen. Zum Beispiel auf Kategorieseiten-Ebene im Rahmen der Content-Optimierung oder bei der Reduzierung von duplicate Content auf Produkt- und Kategorieseiten.

Ein weiteres Mittel, um die begehrten vorderen Plätze in den Google-Ergebnislisten in Angriff zu nehmen, ohne dabei pro Klick oder Conversion zu zahlen, ist die Filternavigation. Mit ihrer Hilfe kann sich die Anzahl der Rankings Ihres Shops ohne grossen redaktionellen Aufwand erhöhen. Stattdessen ist für die Einrichtung einer Filternavigation in Ihr Shopsystem nur ein einmaliger programmiertechnischer Aufwand nötig. Eine solche Navigation ist aber erst ab einer gewissen Shop-Grösse mit einem umfangreichen Sortiment sinnvoll. Im Bereich Mode, Möbel und Elektronik bspw. arbeiten schon etliche eCommerce-Shops mit Filtern.

Wie funktioniert eine Filternavi im eCommerce?

Doch wie kann eine Filternavi ihren grossen Vorteil überhaupt ausspielen? Ihre Implementierung sorgt dafür, dass Ihr Shopsystem eine Vielzahl neuer, indexierbarer Seiten erstellt – und zwar automatisch; ganz ohne händische Seitenerstellung im Backend und ohne Texterstellung.

Ein prominenter Nutzer einer (userfreundlich umgesetzten) Filternavigation ist der Mode-Online-Shop Zalando, an dem wir die Funktionsweise einer Filternavigation und ihre Bedeutung für SEO einmal exemplarisch durchspielen wollen. Stellen Sie sich also vor, Sie klicken sich in der Zalando-Navigation durch zur Kategorie Damen > Bekleidung > Jeans. Jetzt haben Sie auf der Jeans-Seite die Möglichkeit zu filtern, z.B. nach Marke, Grösse, Farbe, Preis, Material, Anlass etc.

Ansicht einer Filternavigation in einer Kategorie eines Mode Online-Shops

 

Ziel der Filterung ist eine Verfeinerung der dargebotenen Produkte, sodass der Kunde genau nur die Artikel angezeigt bekommt, die seinem Kaufwunsch entsprechen.

Ansicht eines Kategorie-Filters in einem Mode Online-Shop

Will der Shopbesucher sich nun nur Jeans der Marke Abercrombie & Fitch ansehen, setzt er in der Sidebar das entsprechende Häkchen. Daraufhin lädt sich eine neue, automatisch generierte Seite mit eigener URL, auf der nur Damenjeans dieser Marke angezeigt werden. Und genau wie unser Beispielkunde, arbeitet sich auch der Googlebot durch Navigation und Filternavi vor. Am Ende der Journey findet der Crawler eine Seite mit hoher Relevanz für das Keyword Abercrombie Jeans Damen vor – also für eben jenes Keyword, das der Kunde bei Google eingeben würde, wenn er nach einer solchen Produktauflistung sucht. Ist die Seite besonders relevant für den Suchbegriff, ist ein Seite-1-Ranking gut möglich.

Gut ranken mit Filterseiten: Was ist zu beachten?

Damit die für Google indexierbaren Filterseiten ranken, müssen die Informationen aus der zuvor gewählten Kategorie (Damen, Jeans) und aus Filternavigation (Abercrombie & Fitch) an den richtigen Stellen der automatisch erzeugten Filterseite erscheinen, also an suchmaschinen-relevanten Stellen. Diese sind u.a.

  • URL (https://www.zalando.ch/damenbekleidungjeans/abercrombie-and-fitch/)
  • Meta Title (Abercrombie & Fitch Damenjeans in coolen Styles jetzt bei Zalando.ch + gratis Versand)
  • Meta Description (Abercrombie & Fitch Damenjeans bei Zalando.ch: Grosse Auswahl, Top-Marken, 30-Tage-Rückgaberecht! Jetzt Abercrombie & Fitch Jeanshosen für Damen versandkostenfrei bestellen: Zalando.ch)
  • H1 (Jeans von Abercrombie & Fitch)

Damit Filterseiten gecrawlt und anschliessend indexiert werden können, müssen die Auswahlmöglichkeiten unter einem Filter (z.B. die einzelnen Marken unter Damenjeans) klickbare Links sein, denen der Bot folgen kann. So bekommen Sie als Shopbetreiber sehr viel mehr Seiten in den Google-Index, ohne dass diese manuell angelegt werden müssten. Sie entstehen einfach durch die Filternavigation. Diese Vorgehensweise erfordert jedoch die Berücksichtigung vier SEO-relevanter Punkte, damit sie erfolgreich und effizient ist:

1. Begrenzte URL-Erzeugung:

Blaues Filtersymbol Grosse Online-Shops wie Zalando haben diverse Filter mit mitunter zweistelligen Auswahlmöglichkeiten. Shopbesucher können ausserdem mehrere Filter kombiniert anwenden, z.B. Marke, Farbe, Grösse und Preis, und pro Filter eine Mehrfachauswahl tätigen. Wenn für jede mögliche Filterseite eine eigene URL indexiert wird, kommt eine ungeheure Zahl an indexierten Seiten zusammen. Schnell kommt da der Spam-Verdacht auf und duplicate Content wird Tür und Tor geöffnet. Begrenzen Sie die URL-Generierung also auf ein bis zwei Filter; nur diese Seiten sollten von Google indexiert werden. Die übrigen Filterseiten setzen Sie auf noindex.

Diese Limitierung ist jedoch im Kontext aktueller Suchvolumina zu verstehen: Lassen Sie eine Filterseite dann indexieren, wenn ihr Inhalt ein für Sie relevantes, häufig gesuchtes Keyword bespielt. So sollte z.B. die Filterseite https://www.zalando.ch/damenschuhe-sneaker/adidas/ auf jeden Fall indexiert werden, da das Suchvolumen für Adidas Damen Sneaker beachtlich ist. Filterkombinationen mit der Grösse hingegen können bei der Indexierung vernachlässigt werden, da es dafür kein nennenswertes Suchvolumen gibt. Nach welchen Begriffen und Wortgruppen Ihre Kunden am häufigsten Suchen verrät Ihnen der Google Keyword-Planner.

2. Automatisierte Erzeugung von SEO-Elementen:

Lassen Sie URL, Title, Description und H1-Überschrift für die Filterseiten automatisch von Ihrem Shopsystem erstellen – keyword-optimiert und am besten nach einem vorgegebenen Muster.

3. Filterseiten-Sitemap:

Um der Suchmaschine das Crawlen Ihrer Seite zu erleichtern und die neuen Filterseiten für Google besser auffindbar zu machen, lohnt sich ggf. sogar die Erstellung einer eigenen XML-Sitemap für die Filterseiten.

4. Kein JavaScript:

Damit der Bot den anklickbaren Links unter allen Umständen folgen kann, muss die Filternavi auch ohne aktiviertes JavaScript im Quellcode stehen.

Dank Filternavigation und den daraus resultierenden Seiten können Sie sich mit Ihrem Shop vor allem für zusätzliche Longtail-Keywords in den SERPs platzieren. Der Aufwand für die Umsetzung einer solchen Navi ist jedoch stark shopabhängig. Manche Systeme brauchen dafür mehr Programmiererkapazitäten, andere weniger.